Insider-Tour auf Zeche Zollverein in Essen

Vorweg ist zu melden: Unter Tage ging es nicht, am 13. April in Essen bei unserer Exkursion zum UNESCO Welterbe Zeche Zollverein. Die ehemaligen Schachtanlagen der einstmals größten und leistungsstärksten Steinkohlenzeche der Welt können leider nicht besichtigt werden. Dieser Wehrmutstropfen war aber angesichts des vielfältigen Programms, das auch einen eindrucksvollen Ausblick über das Ruhrgebiet bereithielt, schnell vergessen! 13 SMARTis aus dem 2018 eröffneten Berend Lehmann Haus in Essen, darunter der engagierte Hausmeister, hatten sich am Samstagnachmittag versammelt, um das Industriedenkmal hautnah zu erleben.

Einblicke in vergangene Tage des Bergbaus

Zunächst ging es mit einer eigens gecharterten Bahn über das weitläufige Gelände, mit Stopps an älteren und neueren Anlagen, an denen die rasante technische Entwicklung der Kohlenförderung greifbar wurde. Die über zahlreiche Stockwerke verteilten Aufbereitungshallen der „Kohlenwäsche“ wurden anschließend zu Fuß erkundet. Die dreistündige Tour unter der Leitung eines ehemaligen Bergbau-Ingenieurs ließ keinen Zweifel daran, dass wohl nirgendwo sonst ein Wirtschaftszweig ein Gebiet so stark geprägt hat wie die Kohlenindustrie das „Revier“ zwischen Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund in den 100 Jahren ab Mitte des 19. Jahrhunderts.

Auch die Familiengeschichte des Guides war eng mit dem Bergbau verbunden: schon sein Großvater war Kohlekumpel und seine Identifikation mit der Branche entsprechend hoch. Stolz berichtete er uns von Führungen für chinesische Funktionäre, die von der Professionalität des deutschen Bergbaus lernen wollten, klammerte aber trotz dieser Begeisterung die bis Mitte des letzten Jahrhunderts miserablen Arbeits- und Lebensbedingungen der einfachen Bergleute und die mit Bergbau und Stahlproduktion verbundenen Umweltschäden nicht aus.

Eindrücke gemeinsam im Café verarbeiten

Nach dieser Tour de Force durch die Industriegeschichte gab es im Café Kohlenwäsche eine nahrhafte Stärkung und Zeit zum Austausch über gegenwärtige Herausforderungen des Studentenlebens. Rückblickend waren es weniger die konkreten Produktionsabläufe von der Kohlenförderung zur Aufbereitung in der Kohlenwäsche und Veredelung in der Kokerei, die diese Exkursion zu einem besonders eindrucksvollen Erlebnis machten. Wesentliche Erkenntnis war vielmehr die enorme Bedeutung dieses Wirtschaftszweigs für die Entwicklung dieser Region, im Guten wie im Schlechten – und die trotz dieser Relevanz letztlich kurze Blüte dieser Industrie, die bereits ab den 1960er Jahren in Deutschland nicht mehr profitabel war – aber mit öffentlicher Subventionierung noch bis Ende 2018 betrieben wurde, in erster Linie, weil es für große Teile der Erwerbsbevölkerung kaum eine andere berufliche Perspektive gab und Massenarbeitslosigkeit mutmaßlich soziale Spannungen zur Folge gehabt hätte.

Umso besser, auch für unsere SMARTis, dass Essen den Strukturwandel inzwischen erfolgreich gemeistert hat und als zukunftsfähige und umweltfreundliche Wissenschafts- und Dienstleistungsmetropole hervorragend aufgestellt ist!

Weithin sichtbares Wahrzeichen von Zeche Zollverein ist der Förderturm von Schacht XII mit Doppelbockfördergerüst, der zum Vorbild für viele andere Anlagen wurde

Wo früher Arbeiter zum Dienst eilten, lässt sich heute angenehm verweilen.

Mit der Bahn lässt sich das weitläufige Gelände besonders bequem „erfahren“.

Ein einmaliges Panorama übers „Revier“ bietet das Dach der Kohlenwäsche.

Expertenwissen über die Steinkohlenförderung und -verarbeitung vermittelte ein ehemaliger Bergbauingenieur.